Bei Connyland-Delfine finden sich Spuren von Opiaten

Laut der Thurgauer Staatsanwaltschaft starben die Delfine Shadow und Chelmers an den Folgen eines Antibiotikums.

Was noch nicht gesagt wurde ist, dass in ihrem Urin auch Spuren des Opiates Bruprenorphin gefunden wurden. Diese Substanz wird vor allem in der Medizin als Schmerzmittel eingesetzt und wirkt wie Morphium. Weiter fand man auch Benzodiazepin, ein Beruhigungsmittel für Menschen. Das gleichzeitige Verabreichen von Benzodiazepin und Buprenorphin kann zu Atemlähmung führen.

Dies geht aus einem Untersuchungsbericht des gerichtsmedizinischen Instituts St. Gallen hervor, welcher der "NZZ am Sonntag" vorliegt.

Wie die Medikamente in den Körper der Delphine gelangte, ist noch ungeklärt. Der Fund dieser Substanzen sei höchst ungewöhnlich, sagt der niederländische Meeresbiologe Cornelis van Elk, da sie niemals Verwendung finde bei der Behandlung von Meeressäugern. Aufgrund der sedierenden Wirkung sei der Einsatz von Opiaten sehr gefährlich. Delphine seien wie andere Meeressäuger «Bewusstatmer» - das heisst, im Gegensatz zum Menschen müssten sie ihre Atmung ständig aktiv steuern. Selbst im Schlaf bleibe immer eine Hirnhälfte wach, damit die Atmung aufrechterhalten werden könne. «Opiate können dazu führen, dass das Hirn ganz einschläft und die Atmung aussetzt», sagt van Elk.

Jemand soll sich am Schloss zum Futterraum zu schaffen gemacht haben, moniert Connyland-Sprecher Erich Brandenberger.

Laut früheren Aussagen von Herrn Brandenberger sind die Delfine nicht ruhig eingeschlafen, sondern waren hyperaktiv kurz vor ihrem Tod. Beide Delfine sollen an Krämpfen gelitten haben und schwammen wild und zuckend im Bassin umher, bevor sie innerhalb weniger Minuten verstarben.

Weiter läuft immer noch gegen zwei Tierärzte eine Untersuchung. Einer davon ist Georg Müller. Seit 2008 sind im Freizeitpark Connyland acht Delfine gestorben; heute schwimmen in den Connyland-Becken noch drei Meeressäuger.

Die Staatsanwaltschaft äusserte sich aufgrund des laufenden Verfahrens nicht.

Im Jahr 2003 wurde Juniorchef des Connylands, Herr Robert Gasser,  wegen Verdachts der Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz sowie Vorwürfen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu 10 Monaten Haft verurteilt. Dazu soll Robert Gasser mit zwei anderen Personen eine 13-Jährige mit Kokain gefügig gemacht und sexuell missbraucht haben. Das Mädchen war die Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin. Gassers Anwalt habe dem Opfer ein Schweigegeld von 33 000 Franken übergeben, erzählte die Mutter des Mädchens gegenüber Tele24. In diesem Zusammenhang wurde Robert Gasser auch noch  Urkundenfälschung vorgeworfen.

Importverbot soll verfassungswidrig sein

Das vom Parlament angestrebte Importverbot für Delphine steht im Widerspruch zur Bundesverfassung. Zu diesem Schluss kommt ein Rechtsgutachten, das von Delphinarium-Betreiber Connyland in Auftrag gegebenen worden ist. Eine solche Regelung würde gegen das in der Verfassung verankerte Willkürverbot verstossen, heisst es im Gutachten der Zürcher Anwaltskanzlei Bratschi, Wiederkehr & Buob. Dies, weil die «sachlichen und vernünftigen Gründe» dazu fehlen würden. Dabei stützt sich die Autorin auf die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse, wonach Delphinarien das Wohlbefinden von Delphinen nicht beeinträchtigen würden. Ferner sieht das Gutachten das Rechtsgleichheitsgebot verletzt, da mit einem Importverbot für Delphine ohne vernünftige Begründung nur eine einzige Art von Wildtieren herausgegriffen und einem Importverbot unterstellt würde. Würde folglich der Import von Delphinen unter Strafe gestellt, müsste auch über ein Importverbot für andere Wildtiere gesprochen werden.

Ein Importverbot komme einem Haltungsverbot gleich, heisst es im Gutachten. Dies, weil die verbleibenden Delphine über kurz oder lang weggegeben werden müssten, wenn kein neuer männlicher Delphin zur Gruppe - eine Mutter mit ihren beiden männlichen Jungtieren - stossen würde. Dieses Haltungsverbot stelle darum einen massiven Eingriff in die Eigentumsfreiheit von Connyland dar. Ein Verbot wäre ausserdem unverhältnismässig. Über mildere Massnahmen habe man gar nicht erst diskutiert. «Denkbar sind beispielsweise ein Importverbot für bisher wild lebende Delphine oder allenfalls ein Importverbot für bestimmte Delphinarten», heisst es im Gutachten.

Nachdem der Nationalrat sich im März für ein Haltungsverbot von Delphinen und Walen ausgesprochen hat, befindet am kommenden Donnerstag die ständerätliche Kommission über ein Importverbot. (NZZ)

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