Osterfest – Leidenstage für Stiere

Liebe TierfreundInnen,

am Karfreitag wird in der südfranzösischen Stadt Arles die Stierkampf-Saison eröffnet. Bis Ostermontag dauert das blutige Spektakel, an dem die Stierquäler das Osterfest pervertieren und sich Tausende von Blut und Alkohol süchtige Zuschauer am Leid von 48 zu Tode gequälten Tieren ergötzen. Leider ist die Stadt Arles mit ihrer römischen Arena, in der das Massaker stattfindet, eine sehr  beliebte Touristenattraktion. Schreiben Sie bitte dem Touristenbüro, dass Sie diese grausame Tierquälerei verabscheuen und alles tun werden, damit Arles als Stadt der Kulturschande bekannt wird. Benutzen Sie dazu das Kontaktformular der Touristenbüros http://www.arlestourisme.com/index.php?id=174, bei dem Ihr Name, Vorname, Email-Adresse, Strasse, PLZ und Ort vor Ihrem Text angegeben werden müssen. Wenn Sie kein Französisch sprechen, können Sie auch in Ihrer Sprache schreiben.
 
Vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich am 22. April 2012 ist es sehr schwierig, im Getümmel des Wahlkampfs, die Stimme der Tiere hörbar zu machen. Traurig ist, dass in den Debatten selten über die Themen Tiere, Natur oder Umwelt gestritten wird. Deshalb setzt sich in diesen Tagen die Tierschutzstiftung 30 Millions d’Amis vehement dafür ein, dass diese Themen in den Vordergrund rücken. Mit konkreten Fragen hat die Stiftung die 10 Kandidaten, die sich der Wahl stellen, aufgefordert, ihr Engagement für die Tiere zu beweisen: Gesetzlicher Schutz von Tieren, Tierexperimente, Tierhandel, Tiertransporte, Tierzucht, Schlachthäuser, Stierkampf, Pelzhandel, Jagd, Wildtiere im Zirkus..... Nur drei Kandidaten haben sich klar für den Tierschutz ausgesprochen und versprochen, sich für die Abschaffung des Stierkampfs einzusetzen. Leider sind sie nur Randfiguren dieser Wahl. Für die beiden Hauptakteure, Sarkozy und Hollande, kommt die Abschaffung des Stierkampfs überhaupt nicht in Frage, da dieser ein Bestandteil der Kultur Südfrankreichs sei. Drei der Kandidaten haben überhaupt nicht geantwortet.
 
Dass der Bevölkerung die Fragen des Tierschutzes in dieser Wahl nicht gleichgültig sind, zeigte eine Demonstration, die am 24 März von 7 Tierschutzorganisationen veranstaltet wurde. Mit den Rufen „Meine Stimme für die Tiere“ zogen 2000 bis 3000 Demonstranten durch die Altstadt der Stierkampf-Hochburg Nîmes. Besondere Beachtung fand ein blutender Mensch mit einer Stiermaske eingesperrt in einem Käfig, der eine Banderole mit „...und wenn Sie es wären?“ trug.
 
Weitere Aktionen der Tierschutzorganisationen mit internationaler Beteiligung,

  • Kampagne mit Blitzaktionen gegen die Erklärung des Stierkampfs als französisches Kulturerbe,
  • mit einer Großdemonstration gegen diese Erklärung am 11. Februar vor der Nationalversammlung in Paris,
  • und die erfolgreiche Erstürmung der Arena von Rodilhan, die sich gegen das Abschlachten von Stierkälbern durch Kindertoreros richtete,

haben in den letzten Monaten die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das Schicksal der Tiere gelenkt.

Eine vor Kurzem erschienene Umfrage zeigte, dass es 81% der wahlberechtigten Franzosen nicht gleichgültig ist, wie in der Gesellschaft mit den Tieren umgegangen wird. Ein Drittel von ihnen erklärte sogar, dass dieses Thema einen Einfluss auf ihre Wahlentscheidung am 22. April haben wird.

Gelingt es der wenig aussichtsreichen grünen Präsidentschaftskandidatin Eva Joly, die sich klar für den Tierschutz ausgesprochen hat, sich in Koalitionsverhandlungen für den zweiten Wahlgang und bei der nachfolgenden Regierungsbildung des favorisierten Kandidaten Holland durchzusetzen, haben sich die Anstrengungen unserer französischen Freunde, den Tieren eine Stimme zu geben, gelohnt.

Mit dieser Hoffnung wünschen wir Ihnen ein Frohes Osterfest und reiche Ausbeute bei der Ostereiersuche.
Herzliche Grüsse aus Südfrankreich
Anke und Karl Daerner
www.stop-corrida.info