
Fleisch sei kein Nahrungsmittel für Menschen, findet Schauspieler Gilles Tschudi. Vor 25 Jahren hat der Lacto-Vegetarier das letzte Mal Fleischgegessen. Gilles Tschudi ist gerne «der Böse». Die Rolle des Michael Frick in «Lüthi und Blanc» hat er mit fiesen Eigenschaften ausgestattet. Die dunklen Figuren scheinen dem Schauspieler auf den Leib geschrieben. Im wahren Leben zeigt der Vegetarier Herz und Feinsinnigkeit: «Das Fleisch von Tieren kommt nicht auf meinen Teller.» Erst vor wenigen Tagen ist er von Dreharbeiten für den neuen Kinofilm «Baba's Trial» aus Malawi zurückgekehrt. «Für meine afrikanischen Gastgeber gehört Fleisch auch nicht zum Alltag. Ich habe überhaupt sehr selten Probleme mit meiner vegetarischen Kost. Nur in Kroatien wurde es manchmal schwierig, weil dort Fleisch zu einer guten, gehaltvollen Ernährung gehört.»
Seit 25 Jahren kommt der Schauspieler ohne Fleisch oder Fisch aus. Jeden Tag startet er mit 0,7 Litern dieses «Zaubertranks»: ein Kilogramm Rüebli, zwei Äpfel, eine Zitrone (auch mal mit Schale) sowie ein grosses Stück frischer Ingwer plus ein Schuss Rapsöl, alles möglichst in Bio-Qualität und aus der Schweiz, in der Saftpresse gut durchgemixt und frisch zubereitet. Gilles Tschudi kann sich nichts Besseres vorstellen. Später folgt dann vielleicht noch eine feine Pasta. Oder ein Salat aus frischen Kräutern und Gewürzen pur. «Bei mir gibt es zum Beispiel regelmässig frischen Ko-riander. Dieser leitet teilweise Schwermetalle aus dem Körper.»
Gilles Tschudi ist in einer ernährungs- und gesundheitsbewussten Familie aufgewachsen, Fleisch gehörte trotzdem auf den Teller.
Die Entscheidung, nie mehr Fleisch zu essen, kam für ihn selbst überraschend. Eine einschneidende Fastenerfahrung ging dieser radikalen Ernährungsumstellung voraus. «Ich habe vier Wochen fast nichts gegessen, davon zwei Wochen nur Wasser und Kräutertee zu mir genommen, meine Sinne waren sehr empfindlich», sagt der 50-jährige Schauspieler. Nach dieser Fastenkur war er bei einem Freund zum Abendessen eingeladen. Dabei wurde ihm unter anderem Fleisch offeriert. «Ich spürte, wie sich mein Körper gegen das Feisch wehrte. Es war mir, als sei ich ein Kannibale, wenn ich Fleisch esse.» Fleisch hatte für Gilles Tschudi etwas Menschliches, Fleisch zu essen etwas Animalisches bekommen.
Um seine eigenen Empfindungen besser zu verstehen, hat sich Tschudi Literatur zum Thema gesucht. Während seiner Lektüre kommt er unter anderem zu dem Schluss, «dass man die Wesenheit des Tieres mitisst, das heisst seine Energie, Empfindungen». Mit dem Verzehr von Fleisch nehme man auch den emotionalen Moment des Todes des Tieres in sich auf. «Der Fleischesser nimmt die Angsthormone des Tieres, die dieses im Moment des Schlachtens entwickelt, durch den Verzehr mit auf.» Pflanzen hätten zwar - ähnlich wie Tiere - «Vitalkräfte,» aber im Gegensatz zu diesen keine «Emotionalkräfte».
Religiöse Beweggründe oder ethische Überlegungen spielten für Gilles Tschudi erst an zweiter oder dritter Stelle eine Rolle. «Für mich war es nie ein Kopfentscheid. Auch kein philosophi-scher. Sondern ausschliesslich eine physi-sche Reaktion.»
Missionieren möchte er mit seinen Empfindungen nicht.
Die vegetarische Kost schmeckt ihm unterdessen aber so sehr, dass ersich auch vorstellen könnte, ganz auf tierische Produkte zu verzichten. «Vielleicht werde ich eines Tages noch ein Veganer. Ich fühle mich gut. Bis auf die Malariatabletten ...» sagt er mit einem Schmunzeln.
Zur Person Gilles Tschudi:
Gilles Tschudi (1957) wuchs in Basel auf. Mit17 Jahren brach er die Schule kurz vor derMatura ab, um eineSchauspielschule zubesuchen. Er spieltsowohl in französischer wie in deutscher Sprache.Dem Publikum ist er unter anderem als Michael Frick («Lüthi und Blanc») und als Marcel Ospel («Grounding») vertraut. Im neuen Kinofilm «Max & Co.» (Regie: Gebrüder Guillaume) ist er die Stimme des bösen Rodolfo. Im Sommer starten «Baba's Trial» (Regie Wolfgang Panzer, «Broken Silence») und «Tandoori Love» von Oliver Paulus in den Kinos. Im Rahmen der Klosterfestspiele Wettingen wird er den Mephisto in Goethes Faust (Inszenierung: JeanGrädel) spielen. Tschudi lebt in Zürich und im Jura, unterrichtet an derZürcher Hochschule der Künste und ist Präsident des Schweizer Berufsverbands für Schauspieler (SSFV). Er ist geschieden und hat drei Söhne.
http://www.gillestschudi.com
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