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Delfinarien aus der Perspektive eines Delfin-Trainers

Viele Menschen, und das schließt mich ein, waren schon als Kind von Delfinen fasziniert. 

Wir sahen Delfine im Fernseher, aber die richtige Faszination fängt erst dann an, wenn wir sie in der Natur sehen und dann wird der Wunsch, diese Tiere besser kennen zu lernen erst richtig stark. Meistens sehen wir Delfine zuerst in einem Delfin-Park und nicht in der Freiheit. Als Kind lernen wir, was richtig und was falsch ist und wir kümmern uns nicht darum, ob sich die Delfine mit ihrem für uns scheinbar immer freundlichen "Lächeln" wirklich wohl fühlen.

Es gibt verschiedene Wege, Delfin-Trainer zu werden. Ausdauer und Beharrlichkeit bringen meistens den Erfolg, angetrieben von dem starken Wunsch, mehr Zeit mit diesen einmaligen Kreaturen verbringen zu können. Eine Anstellung als Trainer zu bekommen ist nicht einfach und mit viel Wettbewerb verbunden. Obendrein wird diese Tätigkeit nicht einmal gut bezahlt. Leute, die diese Arbeit anstreben, kennen den aus Tierliebe dafür zu zahlenden Preis und machen diese nicht, um von der Arbeit leben zu können. Viele glauben, dass diese Arbeit attraktiv ist und finden erst heraus, wenn sie einmal mit dieser Arbeit begonnen haben, dass 80 % der Tätigkeit aus Saubermachen, Vorbereiten, Fütterung und Verwaltungsarbeit besteht und tatsächlich nur 20 % der Zeit für die Delfine übrig bleibt.

Als wasserlebende Tiere haben Delfine mit direkt in ihrer Umwelt lebenden Bakterien und Viren zu tun, die dort deutlich weniger vorkommen als an Land. Es existieren eine Menge landgebundene Bakterien, die für Delfine absolut tödlich sind. Die meisten Delfin-Parks wissen dies und ergreifen auch Schutzmaßnahmen dagegen.

Diese Schutzmaßnahmen bestehen aus:

- Chlor-Zusatz im Wasser, in dem die Delfine leben (meistens in geringen Dosen, wie im Trinkwasser, ca. 0,6 Bestandteile pro Million)

- Mehrmalige tägliche Reinigung des Futterzubereitungsplatzes

- Reinigung der Futterbehälter nach jeder Benutzung

- Desinfektion von Füßen, Händen, usw.

Die Delfine bekommen toten Fisch als Nahrung, der meistens von hoher Qualität ist. Delfine scheinen diesen toten Fisch zu mögen und es kümmert sie nicht sonderlich, ob der Fisch tot oder lebendig ist. Gefrorener Fisch von minderer Qualität kann oftmals Bakterien enthalten und die Tiere schneller erkranken lassen. Der Fisch wird meistens in großen Gefrier-Lastwagen verschickt und anschließend in großen Kühlschränken an Ort und Stelle bei - 20° C aufbewahrt. Ich habe erlebt, dass beim Umladen von einem Lastwagen in die Kühlanlage zu viel Zeit verging und der Fisch bereits auftaute. Dies fördert ein Wachstum von Bakterien auf dem Fisch, die später dann in die Delfine gelangen. Ein Einfrieren tötet die Bakterien nicht. Täglich wird Fisch für die Fütterung aus dem Kühlschrank genommen und in der Futterzubereitungsstelle aufgetaut, damit er am nächsten Tag benutzt werden kann. Am nächsten Tag wird der Fisch überprüft, sortiert und dann in einem Kühlschrank aufbewahrt, um während des Tages verfüttert zu werden. Wenn der Fisch sortiert wird, werden auch Zusätze zugegeben, um einen Ausgleich zu schaffen für das, was im gefrorenen und toten Fisch nicht mehr vorhanden ist. Diese Zusätze bestehen aus Vitaminen, Eisen, Kalk und anderen Zusätzen, die vom Tierarzt verschrieben werden. Einige Parks geben den Tieren auch Hormone, um bei Weibchen den Sexualzyklus zu kontrollieren oder bei Männchen die männliche Hormonproduktion zu verändern.

Obwohl es mit viel Arbeit verknüpft ist, Delfin-Trainer zu sein, unterscheidet sich die Verbindung, die die meisten von uns zu diesen Tieren haben, völlig von den Verbindungen zu anderen Tieren. Delfine sind äußerst intelligent, immer auf der Suche nach neuen und interessanten Wegen, um aufeinander zu reagieren. Sie haben vielschichtige Persönlichkeiten und jeder Delfin hat seinen eigenen Geschmack und seine eigenen Interessen. Was dem einen Delfin gefällt und woran er Spaß hat, mag dem anderen langweilig erscheinen. Mit einer solchen Intelligenz versehen ist es schwierig für sie, nichts zu tun. Sie brauchen konstante kognitive Anreize, genau wie wir Menschen. Man soll nur daran denken, was Menschen alles für ihre Unterhaltung tun. Wenn wir irgendwo aufgehalten werden, verbringen wir diese Zeit mit dem Lesen von einem Buch, mit Musikhören oder schauen einen Film. Es ist sehr schwierig für uns, nur zu sitzen und nichts zu tun. Delfine sind uns darin sehr ähnlich.

Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Verhalten, die wir den Delfinen beibringen. Da sie sehr intelligente Tiere sind, sind sie mit der richtigen Vorgehensweise grundsätzlich schnell zu trainieren. Das ändert sich natürlich bei jedem einzelnen Delfin, aber es gibt da einige Dinge, die sie gern tun und andere, die sie nicht mögen. Für mich ist das ersichtlich, wenn ein Delfin etwas mag oder nicht. Die Delfine tun fast alles, was man ihnen beibringt und was möglich ist, um Fisch zu bekommen. Wir nennen diese Methode "positive Unterstützung" und wenn sich der Delfin so verhält, wie man es gerne möchte, gibt man ihm Fisch. Wenn sie hingegen etwas tun, was man nicht möchte, dann ignoriert man sie für kurze Zeit. Gefüttert werden sie dann aber trotzdem. Wir verlangen von ihnen einfach nur die Dinge, die sie sowieso gern tun und belohnen sie mit Fisch. Wenn sie jedoch die Dinge nicht tun, die sie normalerweise gern verrichten, dann ist irgendetwas nicht in Ordnung. Sie könnten krank sein und wir müssen sie dann besonders behandeln.

Bei der Arbeit mit Delfinen in einer "kontrollierten" Session (wenn es Fisch gibt) ist es sehr wichtig, die Hierarchie der Gruppe zu verstehen. Wenn ein untergeordneter Delfin zuletzt gefüttert wird, dann sehen die Alpha-Tiere das nicht als richtig an und können unter Umständen gegenüber den Untergeordneten aggressiv werden. Man muss gute Kenntnisse von der Gruppe haben, damit man keine Aggressionen hervorruft. Wenn Fehler dieser Art gemacht werden, kann es sein, dass diese sich nicht während der Session zeigen, sondern erst danach, was besonders schlimm ist, denn dann ist die Aggression nur noch sehr schwer zu kontrollieren. Unerfahrene Trainer können in solchen Situationen das Leben für untergeordnete Delfine auf diese Weise recht schwer machen. Manchmal gibt es auch eine angeborene Aggression, die sich meistens zwischen Männchen abspielt. Sie kann nur unterbunden werden, wenn man die Tiere voneinander trennt. Eine gut geführte Gruppe braucht so etwas meistens nicht.

Wenn es keinen Fisch gibt und es ist eine sogenannte 'Spielzeit", dann machen die Delfine nur das was sie wollen. Auf diese Weise kann man erkennen, was ihnen wirklich Spaß macht. Einige beschäftigen sich mit Dingen, von denen man annahm, dass sie nur der Fisch-Belohnung dienen. Beispielsweise schieben einige Delfine mit der Schnauze gerne deine Füße im Wasser und werfen dich dann in die Luft. Man kann sich nicht vorstellen, dass die Tiere das mögen, denn all der Druck auf die Schnauze müsste doch eigentlich sehr schmerzhaft sein. Ich hatte auch einen Delfin, der es manchmal mochte, dass man sich an seiner Rückenflosse festhielt, um mit ihm durchs Wasser zu schwimmen und er einen hinter sich herzog. Auch hier denkt man daran, dass es doch sicherlich für die Rückenflosse schmerzhaft sein müsste. Diese Art von Sessionen waren besonders belohnend, weil es hier Gelegenheiten zu Verbindungen gab, mit den Delfinen auf ihrer Ebene zu spielen, da sie das tun konnten, was sie mochten.

Ein normaler Arbeitstag für einen Trainer ist von Park zu Park verschieden. Meine Erfahrung ist, dass man von einer Arbeit zur anderen ohne Unterbrechung hetzt. Diese ist meistens die Vorbereitung von Fisch, die Reinigung der Futterbehälter und des Futterzubereitungsplatzes, die nächste Vorstellung, usw. Es bleibt keine Zeit für irgendetwas anderes, besonders keine Spielzeit mit den Delfinen. Dies geschieht meistens nur in der eigenen Freizeit. Nicht alle Parks sind gleich. Ich war in einigen Parks, in denen das Personal genügend Zeit hatte und sogar unterstützt wurde, in freier "Spielzeit" mit seinen Delfinen zu spielen. In dem Park, in dem ich arbeitete, war meistens keine Zeit für so etwas. Die Arbeitszeit war sechs Tage pro Woche. Ich würde diesen Park in eine niedrigere Kategorie von Delfin-Parks einstufen. Das Personal wechselte sehr oft. Durchschnittlich wechselten nach einem bis zwei Jahren die Trainer und in einigen Jahren sogar die ganze Trainer-Mannschaft. Da der Park einen andauernden Personalwechsel hatte, arbeiteten dort nur minderwertige Arbeitskräfte. Dies bedeutet, dass dieses Personal nur wenig oder gar keine Erfahrungen im Umgang mit den Delfinen hatten. Das Personal erhielt keine Schulung für den Umgang mit dem Publikum und in vielen Fällen sprachen sie nicht einmal die lokale Sprache. Es gab keine Gelegenheit für die Trainer, das Publikum zu informieren.

Während meiner Zeit mit den Delfinen versuchte ich immer neue und einfallsreichere Spiele zu erfinden und so viel Zeit, wie nur irgend möglich, inklusive meiner eigenen Freizeit, mit den Delfinen zu verbringen und sie von Langeweile abzuhalten. Während dieser Zeit entwickelte ich eine starke Bindung zu verschiedenen Delfinen. Dann kam schließlich die Zeit, in der ein Delfin erkrankte und nicht die richtige Behandlung für seine Krankheit erhielt. Meine erste Erfahrung mit dem Tod eines Delfin-Freundes war der größte emotionale Schlag, den ich je erlebt habe. Ich kann dies nur mit dem vorzeitigen Verlust eines engen Familienmitgliedes vergleichen. Es ist eins, einen engen Freund zu verlieren, wenn er alt ist, oder jedenfalls alles getan wurde, ihn zu retten, aber etwas Niederschmetterndes, wenn er hätte gerettet werden können. Als dies nach dem dritten Mal im gleichen Park passierte, habe ich gekündigt.

Nachdem so viele Delfine starben und nichts geändert wurde, um sicher zu gehen, dass dies nicht noch einmal passiert (tatsächlich wurden die Dinge noch schlimmer), konnte ich nicht mehr länger dort bleiben.

Ich war in mehreren Anlagen mit deutlich professionellerem Personal. Ich glaube, dass die meisten Anlagen (nicht alle), die Delfine halten, genau wissen, wie empfindlich die Tiere sind und welche außerordentliche Behandlung für sie erforderlich ist. Ein guter Personalchef stellt qualifizierte Leute ein, gibt dem Personal genügend Zeit, damit diese sich um die Tiere kümmern können und versichert, dass alles gut gereinigt ist. Diese Art von Anlage hat meistens ein besseres Arbeitsklima und die Tiere sind gesünder.

Delfine in Parks zu halten, ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite ist dies die einzige Möglichkeit, Menschen diese Tiere zu zeigen, die Tiere zu würdigen und alles daran zu setzen, die Tiere in jeder Situation zu schützen, sogar in der Freiheit. Auf der anderen Seite ist die Situation für die Delfine eine, die sich zwischen Gefängnis und Einzelhaft bewegt. Ich glaube, dass wir in einer perfekten Welt in der Lage sein sollten, Menschen über das Leben von Delfinen in Freiheit zu informieren, ohne dass die Tiere in Delfin-Parks eingesperrt sein müssen.

Die Wirklichkeit sieht leider ganz anders aus. Es gibt heutzutage noch eine Menge Anlagen in der Welt. In vielen sind Delfine, die in Gefangenschaft geboren wurden. Diese Tiere haben die Fähigkeit, in Freiheit zu überleben, verlernt und können sich diese ohne langwierige Hilfe durch den Menschen nicht mehr aneignen. Man kann es mit einem Menschen vergleichen, der sein ganzes Leben lang gefüttert und gehegt wurde und nun auf einmal allein für den Rest seines Lebens im Urwald überleben soll. Das wäre wohl unmöglich.

Wenn ich mir den Stand der heutigen Anlagen ansehe, dann sollten wir uns von den zirkusähnlichen, mit lauter Musik betriebenen Vorstellungen distanzieren und sie mit mehr bildendem Material versehen. Es geht hier nur um Unterhaltung. Es gibt einige Anlagen, die das inzwischen erkannt haben - z.B. das Baltimore National Aquarium hat alle Delfin-Vorstellungen abgeschafft und Besucher können die Delfine jederzeit anschauen und beobachten, wie das Personal mit ihnen umgeht.

Ich glaube, dass dies der erste Schritt in die Richtung ist, das Leben für diese Delfine, die in einer bösen Situation stecken, zu erleichtern. Wir können langsam darauf hinarbeiten, diese Delfine in Anlagen unterzubringen, die natürlicher eingerichtet sind, wie etwa in einer geschlossenen Bucht, in denen Delfine mehr Platz in einer natürlicheren Umgebung zum Leben hätten. Dies würde sie ebenfalls von Umwälz-Filtriersystemen befreien, in denen das Wasser vom Becken filtriert und leicht mit Bakterien und Viren versetzt werden kann. Dieses Wasser zirkuliert in die Becken zurück und kann den Tieren sehr schaden.

An diesem Punkt, an dem wir uns jetzt befinden, können wir uns langsam von den Delfin- Gefängnissen, die nur zur Unterhaltung dienen, abwenden und eine Umwelt für die Delfine anstreben, die für das Leben der Delfine eine gute Lösung bietet und die Menschen darüber aufklärt, dass die Delfine unsere Anerkennung verdienen.

Text-Quelle/Foto/Anmerkung: ProWal im Gespräch mit einem ehemaligen Delfintrainer. Der Name des Delfintrainers liegt uns vor. Er arbeitet heute nicht mehr in der Delfinarien-Branche. Da er Repressionen fürchtet, bat er uns ausdrücklich darum, seinen Namen nicht zu erwähnen.