Unser täglich Fleisch

In Londons Straßen demonstrieren Bauern lautstark gegen das Verbot der Fuchsjagd. 

Die Bewohner der Stadt rufen ihnen von ihren Balkonen aus zu: "Die armen Füchse!" Ein neues Gesetz zwingt die Landwirte, bestimmte freilebende Tierarten zu schützen. Im Gegensatz dazu ist die Zahl der Zuchttiere eindeutig rückläufig, und die Fleischimporte aus Brasilien lassen die Preise sinken. Diesem Widerspruch geht die Dokumentarfilmerin Molly Dineen nach.

Sie begleitet die Bauern auf Schritt und Tritt bei ihrer anstrengenden Arbeit. Unablässig stellt sie Fragen über Gründe und Auswirkungen und wird zur Augenzeugin skurriler Situationen. Früh morgens zieht Bauer Paul mit seinem Transporter los, um tote Tiere aufzusammeln und kerngesunde zu töten. Molly Dineen filmt den bebenden Körper eines sterbenden Kalbs. "Was stimmt mit dem nicht?", fragt sie schockiert. "Nichts, es ist nur nicht stark genug, das ist alles", murmelt Paul zynisch. Später wird der Kalbskopf abgetrennt und das Tier gehäutet. Sein Fell wird zu einem lächerlichen Preis verkauft. Molly Dineen zeigt völlig nüchtern den Kampf der Bauern, die um ihre Existenz fürchten. Sie nähert sich den Protagonisten auf einfühlsame Weise, während ihre Kommentare die Ereignisse kritisch und analytisch reflektieren, ohne in den Idealismus der Stadtbewohner zu verfallen. Einem aufgebrachten Bauern zufolge setzen sich die Londoner für wilde Füchse ein, scheren sich aber nicht darum, wie die Tiere behandelt werden, deren Fleisch sie täglich essen.

Die Regisseurin filmt die zitternden Flanken eines kranken Pferdes kurz vor dem Gnadenschuss. Bestürzt umringen andere Pferde den Kadaver. Der Besitzer kann es sich nicht leisten, das kranke Tier behandeln zu lassen. "Warum müssen wir so etwas hinnehmen, Molly?", fragt der Viehzüchter anklagend. Molly Dineen weiß keine Antwort. Mit ihrem kompromisslosen Stil konfrontiert sie den Zuschauer direkt mit diesen heiklen Fragen und fordert ihn auf, seine eigene Einstellung als Verbraucher infrage zu stellen.