"Taste the Waste" Start des Kinofilms verschoben

Deutsche Haushalte werfen jährlich Lebensmittel für 20 Milliarden Euro weg – so viel wie der Jahresumsatz von Aldi in Deutschland.

Das Essen, das wir in Europa weg werfen, würde zwei Mal reichen, um alle Hungernden der Welt zu ernähren. Valentin Thurn hat den Umgang mit Lebensmitteln international recherchiert und kommt zu haarsträubenden Ergebnissen. Jeder zweite Kopfsalat wird aussortiert, jedes fünfte Brot muss ungekauft entsorgt werden. Kartoffeln, die der offiziellen Norm nicht entsprechen, bleiben auf dem Feld liegen und kleine Schönheitsfehler entscheiden über ein Schicksal als Ladenhüter. In den Abfall-Containern der Supermärkte findet man überwältigende Mengen einwandfreier Nahrungsmittel, original verpackt, mit gültigem Mindesthaltbarkeitsdatum. Auf der Suche nach den Ursachen und Verantwortlichen deckt er ein weltweites System auf, an dem sich alle beteiligen.

Die Folgen reichen weit, denn die Auswirkungen auf das Weltklima sind verheerend. Die Landwirtschaft verschlingt riesige Mengen an Energie, Wasser, Dünger und Pestiziden, Regenwald wird für Weideflächen gerodet. Mehr als ein Drittel der Treibhausgase entsteht durch die Landwirtschaft. Nicht unbedeutend sind auch die auf den Müllkippen vergärenden Lebensmittel-Abfälle, denn die entstehende Klimagase haben entscheidenden Einfluss auf die Erderwärmung.

TASTE THE WASTE zeigt, dass ein weltweites Umdenken stattfindet und dass es Menschen gibt, die mit Ideenreichtum und Engagement diesem Irrsinn entgegen treten.

Gestern Freitag war die Vorpremiere in Zürich geplant. Nach der Premiere hätte ein Podium zum Thema Lebensmittelverschwendung stattfinden sollen – mit Bundesrat Alain Berset, Nestlé-Präsident Peter Brabeck und Coop-Präsident Hansueli Loosli. Doch der ganze Anlass wurde abgesagt.

Hat Coop Druck aufgesetzt und die Premiere verhindert? Fest steht, dass Loosli seine Zusage für das Podiumsgespräch zurückgezogen hat, wie das Unternehmen bestätigt.

Die Lebensmittelindustrie befürchte Umsatzeinbussen, wenn die Thematik öffentlich diskutiert werde, vermutet der Regisseur Valentin Thurn: «Für die Gesellschaft ist das eine Katastrophe, gerade im Hinblick auf den Welthunger.»