Vögel tarnen Nester zur Abwehr von Feinden
Kategorie: Tierwelt

Vögel tarnen Nester zur Abwehr von Feinden

Viele Vögel versuchen, ihre Nester zu tarnen.

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D: Geplante Mastanlagen in Gelchsheim und Dipbach

In der Presse wurde in letzter Zeit über die Folgen des hohen Fleischkonsums berichtet, von „Megaställen“ sowie tierschutzrelevanten Vorfällen und Hygienemängeln.

Ungeachtet dessen planen Landwirte im Landkreis Würzburg neue Mastanlagen für Schweine und Rinder, über die u. a. die Mainpost umfassend informiert hat.

In Dipbach, einem Ortsteil von Bergtheim, möchte die Landwirtschaftsfamilie König einen großen Stall für 2400 Mastschweine und einen Güllebehälter bauen. Sie sollen in einem geschlossenen Stall auf Spaltenböden stehen und die Ausscheidungen in einer Biogasanlage verarbeitet werden. Ein zertifizierter Luftwäscher soll für saubere Luft in Dipbach sorgen. Zusätzlich möchte die Familie König Plätze für 350 Milchkühe und 350 Jungrinder genehmigen lassen und so den Bestand verdoppeln. Insgesamt besitzen sie schon knapp 500 Tiere einschließlich Schweinen. Ein Teil lebt im Hof im Altort und der größere Teil im Aussiedlerhof am Ortsrand.

Widerstand hat sich schon 2009 geregt, als die Familie König einen Stall mit offener Bauweise mit Stroheinstreu für 1968 Bioschweine beantragt hat. Dieser wurde nicht genehmigt, weil der Immissionsschutz nicht gewährleistet war. Die Bürgerinitiative „Saubere Luft in Dipbach“, die von den Sprechern Christiane Köllner-Krüger und Wolfram Zipf vertreten werden, hat sich hauptsächlich gegen die Geruchsbelästigung gewendet, die am sehr nahe gelegenen Ort und der Sportanlage aufgetreten wären, und damit die Planungen für den Biostall verhindert, jedoch noch nicht den zweiten Plan für einen geschlossen Stall mit mehr Schweinen, als ursprünglich beabsichtigt.

Die Bürgerinitiative ist nach wie vor aktiv. 221 Einwendungen von Privatpersonen sind bisher beim Landratsamt Würzburg eingegangen, zusätzlich zu denen von örtlichen Vereinigungen. Das Bauamt wird diese voraussichtlich am 12. Juni in Anwesenheit von Antragsteller Günter König erörtern. Der Sprecher Köllner-Krüger geht davon aus, dass 260 Bürger von 640 Einwohnern Einwendungen gegen das Bauvorhaben unterschrieben haben. Auch von der Würzburger JBN-Gruppe „Happy Green Leaves“ ging eine ein, die sich gegen das „verantwortungslose Bauvorhaben“ richtet. Es würden laut ihnen nicht nur Antibiotika eingesetzt, sondern auch Medikamente wie VILOMIN® Kani-Stopp, um Verhaltensstörungen wie Kannibalismus zu verhindern, anstatt für artgerechte Beschäftigung zu sorgen. Der Verein PROVIEH e. V. hat nach Anfragen von Leuten mit einer entsprechenden Vorlage für Einwendungen unterstützt.

Eine weitere Einwendung beschreibt „mangelnde Kooperation zum eigenen Vorteil des Antragssteller“ und zählt als Beispiele „Verkehr rund um die Uhr, Geruchsbelästigungen und die Verkehrssicherung eines Flurweges zu Lasten der Dorfgemeinschaft“ auf. Von den Bürgern wird befürchtet, dass Gestank auch beim Verladen der Mastschweine auftritt, die nach vier Monaten Lebenszeit zum Schlachter gefahren werden. Weitere Bedenken betreffen auch den Brandschutz, die Staub- u. Lärmentwicklung bei der Wegeerschließung und dass das abfließende Regenwasser auf dem Hof fast ungehindert in den Bachlauf gelangen kann. Die Gemeinderäte weisen darauf hin, dass durch Störfälle und Wartungsarbeiten die Effektivität der Luftwäscheranlage beeinträchtigt werden könnte.

Der Bund Naturschutz lehnt die Planungen ebenfalls ab. Der Würzburger BN-Kreisgeschäftsführer Steffen Jodl rät den Leuten, den Fleischverbrauch auf den ein- oder zweimaligen Genuss in der Woche reduzieren, um der Billigproduktion entgegen zu treten. Im Gegensatz zur industriellen Massentierhaltung ist die „bäuerliche Tierhaltung nach Auffassung des BN gekennzeichnet durch eine flächengebundene Produktion, das heißt, es werden nicht mehr Tiere gehalten, als der anfallende organische Dünger auch sinnvoll auf den Betriebsflächen ausgebracht werden kann und ein Großteil des benötigten Futters auch selbst am Betrieb erzeugt wird“. Die entstehenden Umweltkosten für die 2400 Mastschweine betragen etwa 120.000 Euro. Dabei müssen die großen Tierhalter oft nicht für die Umweltschäden, z. B. durch die enormen Mengen an Ammoniakemissionen, aufkommen.

Unabhängig von diesem Bauvorhaben planen die Landwirte Ottmar Leimig und sein Sohn Daniel nahe bei Gelchsheim die eigene Ferkelaufzucht zu vergrößern und möchten einen Stall für 3616 Tiere bauen, so dass sie insgesamt 3658 Schweine besitzen würden. Dies wäre dann die größte Schweinemast im Landkreis Würzburg, falls die Familie Leimig diese Betriebsgröße tatsächlich erreicht. Sie haben den Antrag gestellt, um den Standort mit den zu erfüllenden Voraussetzungen, wie etwa den immissionsschutzrechtlichen, sicherzustellen.

Der Genehmigung steht bisher nichts im Weg, die Bürger beschweren sich vermutlich nicht, weil schon ca. 1300 Schweine außerhalb des Dorfes gehalten werden, ohne dass eine Geruchsbelästigung durch am Ort vorbeifahrende Viehtransporter auftritt. „Hier ist eben die Welt noch in Ordnung“, lautet der Konsens der meisten Bürger. Einwendungen gab es keine, deswegen wird der Antrag der Familie Leimig nicht öffentlich erörtert. Vor Ort hat sich ergeben, dass Landwirt junior Belastungen durch Gülle von sich weist, er sagte, dass das Futter auch aus dem Ausland kommt und er wird die Schweine auf Spaltenböden halten, hält nur die gesetzlichen Mindeststandards ein, die Schweine bekommen Ketten als "Beschäftigung"; die meisten Anwohner wurden von der Mainpost natürlich nicht befragt, manche haben zum ersten Mal von diesem Vorhaben erfahren, einige die wir persönlich angetroffen haben waren sofort gegen die Mastanlage, andere eher bis sehr dafür oder noch unsicher und müssen sich erst noch informieren.

Die Kreisrätin Kerstin Celina vom Kreisverband Würzburg-Land der Partei die Grünen weist darauf hin, „dass die gängigen, aus Soja bestehenden Eiweißfuttermittel nicht in der Region produziert werden, sondern über weite Strecken mit dem Lastwagen transportiert werden müssten“. „Jeder weiß, dass in großen Mastanlagen keine artgerechte Tierhaltung erfolgen kann, und dass bei der Haltung von Tieren auf engstem Raum Antibiotika in großen Mengen verabreicht werden. Die daraus entstehenden resistenten Keime gefährden die Gesundheit vieler Menschen“. Sie folgert daraus und weiteren Gründen, dass die Bevölkerung die meisten negativen Auswirkungen spüren wird, diese jedoch „weit über den Landkreis hinaus reichen“.

Widerstand kam hier zuerst nur von der Würzburger Kreisgruppe des Bund Naturschutzes. Auch in diesem Fall wird erwartet, „dass durch die Gülleausbringung weitere Belastungen für Luft, Böden und das Trinkwasser in der Region entstehen“, laut BN-Kreisvorsitzender Karin Miethaner-Vent. Steffen Jodl befürchtet wie Kerstin Celina, dass Schweine in der Massentierhaltung häufiger erkranken und mit Antibiotika behandelt werden müssen. In der Pressemitteilung wird vom „Schaden für Mensch, Tier und Umwelt“ gewarnt.

Die „Aktion Grundwasserschutz – Trinkwasser für Unterfranken“ hat die allgemeine Situation in Unterfranken dokumentiert. In manchen Gebieten fällt nicht mehr Regen, als in Steppengebieten. Das Grundwasser wird durch den besonders durchlässigen Untergrund und der dünnen Bodenschicht kaum vor Verunreinigungen geschützt. Durch diese beiden Begebenheiten lässt sich folgern, dass Schadstoffe nur unzureichend verdünnt werden. Nitrat soll laut der Aktion das Hauptproblem des unterfränkischen Grundwassers sein, das über stickstoffhaltigen Dünger in den Boden gelangt. Aus der Luft können vom Regen ebenfalls Schadstoffe ausgewaschen werden. Bei belasteten Oberflächengewässern kann es zur Eutrophierung kommen, die sich durch einen verstärkten Wuchs von Algen auszeichnet und im schlimmsten Fall zum Absterben von im Wasser lebenden Tieren führt.

Petition:

Landratsamt Würzburg: Bau von Schweinemastanlagen in Dipbach UND Gelchsheim nicht erlauben

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